Endstation Small Talk.

Networking: Für viele ein notwendiges Übel mit unzähligen, leeren Worthülsen. Mit Distanz und Arroganz beschmierte Masken, aufgesetzt und todlangweilig. Entkommen? Gibt es nicht. Fernbleiben? Möglich, aber auch keine angemessene Strategie.

— Die Kolumne von Schumbeta Co-Founder Nicole Arnitz. Foto: Daniel Willinger

In einer Welt der maximalen Narzifizierung des Selbst, in der viele Bereiche beständig erodieren, fragt man sich schon mal: Wozu überhaupt? Wozu an Networking-Events teilnehmen? Wozu andere hören? Zuerst Know-how und Kontakte weitergeben, ohne zu wissen, was der andere fürs eigene Business bringt? Sein wahres Selbst zeigen, wo es doch so viel einfacher ist, eine passende Rolle zu spielen? Entfremdung also. Von sich selbst, der Welt und allem. Bedauerlich – nicht nur für einen selbst, auch für die Wirtschaft und erst recht für die Gesellschaft.

Networking: Für viele ein notwendiges Übel mit unzähligen, leeren Worthülsen. Mit Distanz und Arroganz beschmierte Masken, aufgesetzt und todlangweilig. Entkommen? Gibt es nicht. Fernbleiben? Möglich, aber auch keine angemessene Strategie.

Die Frage nach der Innovation im Vernetzen, im Veranstaltungsdesign und Personenclubs beschäftigt zahlreiche Akteure. Aber wie kann man Verhalten und soziale Konstrukte innovieren? Ist das überhaupt möglich? Ich meine, nein. In diesem Fall ist ein Schritt zurück sinnvoll und nötig, um wieder wertschätzend miteinander umzugehen und sein Gegenüber auf Augenhöhe wahrzunehmen. Denn: Das Andere, das Fremdartige regt uns an. Macht uns neugierig. Lässt uns weiterdenken. Wir alle wollen nicht noch mehr vom Selben. Hartmut Rosa beschreibt dies sehr schön:

 

Die ‚Anverwandlung von Welt‘ ist ein Zustand, in dem der Mensch nicht versucht, die Dinge zu kontrollieren und schnell und effizient zu agieren. Er, der Mensch, lässt sich viel stärker von Begegnungen und von Orten inspirieren, lässt sich treiben und ist offen für Neues.“ 

 

Begegnungen also. Kein Networking. Keine Events. Es geht um Begegnungen auf wertschätzender Augenhöhe und Akzeptanz – ja vielleicht sogar mehr um ein Einlassen auf das Andersartige und Fremdartige. Ein Seinlassen, Hochheben und Feiern des Anderen. Das ist es, was uns wachrüttelt, neugierig und kreativ werden lässt. Und: Es löst Resonanz aus. Denn danach streben wir alle – nach Resonanz, nach spannenden Begegnungen, die sofort schwingen und zum Tun anregen.

Nicht nur reden, sondern machen. Echte Gespräche, tiefer Austausch in vertrauensvollem Rahmen lösen Resonanz aus und stillen so unsere Sehnsucht nach einem Weiterkommen und ermöglichen Fortschritt und Innovation.

Es kommt immer auf den einzelnen Menschen an. Lasst uns Zufälle provozieren! Und sehen, was passiert.

Über den Autor: Nicole Arnitz ist Co-Founder von Schumbeta und dort als Head of Flow & Cooperations der Mittelpunkt des kraftvollen und wachsenden Netzwerkes. Sie ist auch Co-Founder und Partner bei Mehrblick, einem interdisziplinären Studio für Produkt- und Geschäftsmodell- Innovation. Die gebürtige Mondseeerin lebt in Wien.  

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